Man spürt die beginnenden Umbrüche in Darjeeling allein schon an der deutlich geringeren Anzahl an Mustern, die uns während der Saison erreichen. Einige auch namhafte Hersteller schicken teils überhaupt keine Muster mehr, da sie einerseits die Absatzchancen aufgrund der ausgesprochen dürftigen Qualität als sehr gering einschätzen und/oder ihnen schlicht das Geld fehlt, den doch recht kostenintensiven Versand der Proben mittels Kurierdiensten aufrecht zu erhalten.
Vielfach ist es einfacher, diese Tees für eher kleines Geld an lokale Abnehmer zu verkaufen, die daraus größere Blends kreieren und diese dann wiederum hierzulande zu verhältnismäßig günstigen Preisen anbieten. Das kommt neben den Herstellern auch nicht wenigen Importeuren durchaus entgegen, nimmt ihnen dies doch den sehr zeit- und kostenintensiven Einkauf von Einzelpartien ab, sorgt aber auf der anderen Seite natürlich neben einer Erosion der Preise auch für eine gewisse Egalisierung der Qualitäten.
So geht der Trend bei Darjeeling immer deutlicher in Richtung ‚Commodity‘, womit man (auch) im Teehandel den Weg weg von einer hochwertigen und individuellen Spezialität hin zu einem Grundstoff bezeichnet, der in möglichst gleichbleibender Qualität möglichst günstig verfügbar sein muss. Prinzipiell ist dies ein gangbarer Weg; dem entgegen stehen allerdings die hohen Bewirtschaftungskosten der Gärten, die eigentlich höhere Erträge notwendig machen. Vielleicht zahlt es sich aus, wenn man auf der anderen Seite dann den Aufwand für die Herstellung deutlich reduzieren kann – aber das bleibt abzuwarten.
Derweil balgen wir uns mit den anderen Importeuren, die sich noch etwas Enthusiasmus bewahrt haben, um die noch verbliebenen Partien, die qualitativ aus der Masse herausstechen und hoffen, Ihnen mit den beiden hier vorgestellten Tees zwei würdige Vertreter eben dieser kleinen Spitze des eher kleinen Eisberges zu präsentieren.

Darjeeling Second Flush - BIOSFTGFOP1 Okayti
Invoice 74/25
Mit äußeren Werten tut sich dieser Tee wahrlich nicht hervor; erst, wenn man ihn wachküsst, wandelt er sich vom Frosch zum Prinzen und offenbart, was sich in ihm verbirgt: eine warme, volle Tasse, die mit ihren an dunkle Waldbeeren und Holzvertäfelung erinnernden, labenden Aromen ein trefflicher Begleiter durch die sich abzeichnende Herbstzeit ist.

Darjeeling Second Flush - BIO"Golden Bloom" Snowview
Invoice 166/25
Fruchtig, fast ein wenig beschwingt, kommt diese Partie daher, die zugleich ihre Wurzeln im Second Flush mit dem typischen, opulenten Charakter auf elegante Art und Weise zur Geltung zu bringen weiß und so gleichzeitig Wohlbehagen und Gemütlichkeit verbreitet, aber dabei stets ein wenig Temperament mit schwingen lässt, das die Lebensgeister vor Müßiggang bewahrt.